Lügen und Falschinformationen zu Covid-19

Grundgedanke einer Demokratie ist, dass die Beherrschten (das Volk) ihre Herrscher selbst bestimmen. Das geschieht in entwickelten Demokratien üblicherweise durch freie und geheime Wahlen. Das zu Grunde liegende Menschenbild ist das des „mündigen Bürgers“, also einer Person, die in der Lage ist, sich anhand vorliegender Fakten eine Meinung zu bilden und die darauf aufbauend eine Wahlentscheidung trifft. Für diesen Prozess unabdingbar ist der freie Zugang zu entscheidungsrelevanten Fakten, also möglichst ungefilterten Informationen. Üblicherweise werden diese durch die „vierte Macht“, die Medien, zur Verfügung gestellt. Zwar bietet das Internet mittlerweile eine Unmenge an Daten, für die meisten Menschen ist die Suche und Plausibilitätsprüfung aber sehr schwer und dementsprechend sind Massenmedien noch immer die Informationsquelle erster Wahl. Eine freie Medienlandschaft ist also, ebenso wie eine freie und unabhängige Justiz, das Fundament der Demokratie. Länder wie Ungarn, die durch eine Mischung an staatlichen und marktwirtschaftlichen Interventionen diese Medienlandschaft „orbanisiert“ haben, können nicht mehr den Anspruch erhaben, entwickelte Demokratien zu sein. Sie sind „pseudodemoktratisch“.

Nun sind die meisten Medien nicht öffentlich-rechtlich, sondern in privater Hand. Schon der Autokrat Orban hat über reiche Verbündete nicht nur die ungarischen Medien unter seine Kontrolle gebracht, sondern tut dies auch schon in Nachbarländern. Österreich entwickelt sich durch die vielfach zitierte „Messagecontrol“, also der Filterung von Informationen durch die Regierenden, und auch durch die Eigentümerstruktur bzw. finanzielle Anhängigkeit privater Medien von staatlicher Subventionierung, die einerseits durch die Presseförderung (angesiedelt im Bundeskanzleramt), andererseits durch Inserate erfolgt. Nur so ist es erklärbar, dass im Zuge der Covid-Krise quer durch die Medienlandschaft vorauseilender Gehorsam praktiziert wurde und differenzierte Berichterstattung einseitiger Propaganda weichen musste. Auch vermeintlich unabhängige „Qualitätsmedien“ wie der Standard, insbesondere die Onlineversion, veröffentlichte regelmäßig einseitige, tendenziöse Agenturmeldungen offenbar ungeprüft. Über Einzelfallberichte, fehlende Angabe von Quellen und Wahrscheinlichkeiten wurde stark emotionalisiert, statt faktisch korrekte Informationen zu berichten. Von Medien, die mittlerweile über die Eigentümerstruktur (Raiffeisen und Benkö) vor allem der ÖVP nahestehen, braucht man gar nicht zu sprechen.

Bleibt also noch der öffentliche-rechtliche Rundfunk. Das Kontrollgremium des ORF, der Stiftungsrat besteht seit der Reform unter Wolfgang Schüssel aus 35 Stiftungsräten, von denen 32 politischen Parteien zuzurechnen sind. Auch hier dominiert der Einfluss der ÖVP. Ein Generalintendant, der wiedergewählt werden will, sollte es sich also mit Sebastian Kurz gut stellen.

So stellt der ORF also kein unabhängiges Medium dar, sondern agiert ganz nachdem Sprichwort „Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing!“. Auch das wurde gerade in der Covidkrise deutlich. Alle sogenannten Experten kamen aus dem Lager jener Wissenschaftler, welche die Linie der Regierung teilen. Andersdenkende, sei es auf Expertenebene, aber auch jene, die sich gegen Maßnahmen wehren, werden diskreditiert, als Neonazis oder zumindest als deren Sympathisanten oder als irre „Schwurbler“ und „Aluhutträger“ (= „Verrückte“) dargestellt.

Tatsächlich hat diese Medienpolitik dazu geführt, dass sich viele Menschen nicht ausreichend und umfassend informiert gefühlt haben und so alternative Quelle im Internet gesucht und oft ausgesprochen dubiose auch gefunden haben. Daraus folgt die Spaltung der Gesellschaft, wie wir sie gerade erleben.
Dass der ORF oder die neuerdings „Mainstreammedien“ genannten staatsmeinungsnahen Medien falsche oder einseitige Informationen liefern, ist leicht belegbar. Man denke nur an die Manipulation der Anzeigen zu den „freien Intensivbetten“ und der angeblichen Überbelegung der Intensivstationen bis hin zu Triage. Schauen wir uns als aktuelles Beispiel nur das Corona-Dashboard des ORF zum heutigen Datum an.

covidzahlen07062021


Hier ist ein kleine Denksportaufgabe. Welche dieser Zahlen ist völlig falsch? Als kleiner Hinweis dazu ein paar zusätzliche Fakten. In den letzten drei Wochen wurden (laut Angaben des ORF) 10.700 Personen positiv getestet. Die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt bei ca. 7-10 Tagen.

Haben Sie es herausgefunden? Wenn jeder positiv Gemeldete rund eine Woche positiv bleibt, müsste die Gesamtzahl der sogenannten „aktiven Fälle“ ungefähr dem Wert der positiv Getesteten der letzten Woche entsprechen, also zwischen 3.000 und 5.000. Tatsächlich weisen sowohl die AGES als auch der ORF eine Zahl aus, die mehr als doppelt so hoch ist. Interessanterweise folgen nicht alle Medien dieser Darstellung, Der Standard und die Krone melden nur 5.000 aktive Fälle.

Will man in den offiziellen Medien die Zahl der Corona-Kranken künstlich hoch halten? Dieser Verdacht liegt nahe, zielt doch die gesamte Propagandamaschinerie des Staates in den letzten Wochen darauf ab, Menschen zur Impfung zu bewegen. Dazu zieht man jede Woche eine neue Mutation aus dem Hut, berichtet über ein Risiko von 10% nach einer Infektion (nicht Erkrankung) an „Long Covid“ zu erkranken und fordert mit Hinweis auf eine neue, sehr schlecht dokumentierte Erkrankung bei Kindern (PIMS bzw. MIS-C) flächendeckende Impfungen von Kindern. Gegenstimmen werden sehr selten berichtet. Der Bundesminister spricht in einem weiteren Angstszenario von vielen, vielen Kindern, die wegen PIMS auf der Intensivstation landen.

Die Fakten sehen hingegen völlig anders aus.

Lassen Sie mich vorher klarstellen, dass mir die Gefahren einer akuten Covid-Erkrankung genauso wie jene von Folgeschäden und einer eventuellen Bedrohung von jungen Menschen durchaus bewusst sind! Lassen Sie mich zeigen, wie man mit seriösen Daten lügen kann, denn eine gute Lüge liegt nahe bei einer belegbaren Wahrheit.

Im ORF wurde ein Salzburger Kinderarzt zitiert, dass rund 1 von 1.000 Kindern an PIMS erkrankt und deswegen auf die Intensivstation muss. Es sei angemerkt, dass ich mit diesem Arzt in einem sehr produktiven Austausch stand und er keineswegs die Absicht hat, falsche Daten zu veröffentlichen, und schon gar nicht absichtlich. Wie kommt es also zu dieser Aussage?

Nach Rückfrage bezüglich der Quelle für diese Aussage wurde ich auf die Seite https://kinderarzt.net/pims-syndrom-paediatric-inflammatory-multisystem-syndrome/ verwiesen. Diese Seite ist nun natürlich keine wissenschaftliche Quelle, sondern die Homepage einer weiteren Kinderärztin, die ihrerseits offenbar Daten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) ohne Quellenangabe wiedergibt, und andererseits auf eine amerikanische Studie verweist, die belegen soll, dass eines von 1.000 Kinder betroffen ist. Bei genauerem Studium der Originalstudie stellt man fest, dass dies zumindest durch die Studie nicht so ganz bestätigt wird. Tatsächlich berichtet die Studie von 1.733 Fällen, die in den USA identifiziert werden konnten. Dann gehen die Studienautoren davon aus, dass von 2,4 Millionen positiv Getesteten ungefähr 10% Kinder waren, also 240.000. Diese Zahl stellt also die sogenannte Grundgesamtheit dar. Dividiert man nun die 1.733 Fälle durch 240.000 stellt man fest, dass nicht mehr ein Promille der Kinder (1:1.000) erkrankt ist, sondern „nur“ 0,7 von 1.000. Eine Abweichung von 0,3 mag jetzt nicht so viel erscheinen, ist aber eine Menge.

Nun kann man überlegen, ob die Basis von 240.000 eine wirklich gute Schätzung war. Bedenkt man, dass in den USA wesentlich weniger getestet wird als in Österreich (1,4 Tests pro Kopf statt 5,1), kann man annehmen, dass die Dunkelziffer an Infektionen auch deutlich höher ist. Eine Annahme über den tatsächlichen Wert ist aber unseriös, da es genauso geraten wäre wie die Annahme der Studienautoren. Man kann aber gut argumentieren, warum das tatsächliche Risiko für ein Erkrankung mit PIMS nur maximal die Hälfte der im ORF veröffentlichten Zahlen beträgt. Das ist deswegen relevant, weil es das relevante Risiko für eine Covid-Erkrankung bei Kindern darstellt, mit dem das Risiko für schwere Schäden durch die Impfung verglichen werden muss. Dieses Risiko kennen wir für Kinder nicht. Bei Erwachsenen liegt es im Schnitt bei 0,2 von 1.000, allerdings mit einer sehr ungleichen Verteilung innerhalb der Alters- und Geschlechtsverteilung. Jüngere Frauen haben hier ein deutlich höheres Risiko (um ca. 400% gegenüber Männern).

Sollte man unter diesen Bedingungen Kinder impfen lassen, weil sie vielleicht an PIMS erkranken könnten? Offenbar liegt das Risiko ungefähr in derselben Größenordnung. Die Datenlage ist aber denkbar schlecht.
Wie sieht es denn mit PIMS in Österreich aus? Die Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) gibt an, bisher 4 Verdachtsfälle aus Österreich zu haben. 342 Fälle wurden aus Deutschland berichtet. So wie im Beispiel vorher wäre es jetzt wichtig, diese Zahl auf die „Grundgesamtheit“ zu beziehen, also die Gesamtzahl der mit Covid infizierten Kinder und Jugendlichen. Nun stehen wir aber vor einem Problem, denn wir kennen diese Zahl nicht. Da vor allem Kinder und Jugendliche hauptsächlich asymptomatisch erkranken und es keine aktuelle Studie zur „Durchseuchung“ dieser (oder einer anderen Gruppe) gibt, haben wir keine Ahnung, ob PIMS häufig oder extrem selten ist. Noch viel schlimmer ist, wir haben nicht die Spur einer Ahnung, ob es überhaupt nötig ist, Kinder und Jugendliche überhaupt zu impfen.

Österreich hat es grob fahrlässig verabsäumt, wichtige Daten zu erheben. Das bedeutet, dass Entscheidungsträger auf der Basis von völlig unbegründeten Schätzungen, die zwischen „Experten“ extrem schwanken, treffen zu müssen. In einigen anderen Bereichen werden die Daten zwar im staatlichen Auftrag durch die GÖG (Gesundheit Österreich) erfasst, aber unter Verschluss gehalten. Lediglich universitäre Gruppen bekommen nach einem restriktiven Prozess Zugang. So ist es derzeit für einen „normalen“ Bürger nicht möglich zu überprüfen, ob die gemeldeten Zahlen der Hospitalisierten tatsächlich Menschen betrifft, die wegen Covid im Spital sind, oder Menschen, die lediglich positiv getestet sind, aber wegen ganz anderer gesundheitlicher Probleme hospitalisiert sind.

Sich also selbst eine Meinung über den aktuellen Stand der COV19-Situation zu machen ist also selbst für Experten schlicht und einfach gar nicht möglich.

Was übrig bleibt ist der schale Geschmack, von den „Regierungsexperten“ und „regierungstreuen Medien“ laufend belogen zu werden. Dass Menschen dann gegenüber diesen Institutionen Misstrauen entwickeln ist leicht nachvollziehbar.

 

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